Fahrwegtechnik

Intelligente Züge fahren signalgesteuert

Von Katharina Lehmann · 2012

Innovative Technologien machen die Bahn schneller, sicherer und überwinden die nationalen Unterschiede der Streckennetze.

Europas Zugverkehr wächst zusammen. „Künftiges Ziel in der Entwicklung der Fahrwegtechnik wird es sein, alle Zugsysteme miteinander kompatibel zu machen“, sagt Max Obenaus vom Verband der europäischen Eisenbahnindustrie (UNIFE) in Brüssel. So wird in den kommenden Jahren mit dem European Rail Traffic Management System (ERTMS) ein standardisiertes System eingeführt, das die rund 20 verschiedenen Signal- und Zugsicherungssysteme in Europa miteinander verbindet. Ziel des ERTMS ist es, zunächst auf den wichtigsten europäischen Transitwegen, später auf allen Strecken Fahrzeuge der verschiedenen Hersteller über die Landesgrenzen hinaus reibungslos einsetzen zu können und somit den grenzüberschreitenden Schienenverkehr zu vereinfachen.

Zugkommunikation in Echtzeit

Die neue Technik macht den Zugverkehr der Zukunft intelligenter. Nicht nur die Signaltechnik wird europaweit interoperabel, die Züge sollen in Zukunft auch komplett signalgesteuert fahren. Physische Signale würden für die Lokführer überflüssig, Sensoren bestimmen in Echtzeit, wo sich der Zug gerade befindet und mit welcher Geschwindigkeit er unterwegs ist. Mittels neuer Technologien wird sichergestellt, dass ein Zug nicht schneller fahren kann als die Gegebenheiten der Strecke es erlauben oder als das vorhergehende Fahrzeug fährt. Bei belegter Strecke wird der Zug gar automatisch angehalten. Zusätzlich soll ein speziell zugeschnittenes Mobilfunksystem die Sprachund Datenkommunikation zwischen den Fahrzeugen, den mobilen Endgeräten und den örtlichen Einrichtungen in Echtzeit ermöglichen. Damit werden Informationen zu den jeweiligen Züge schneller übertragen. Das gewährleistet sowohl eine bessere Planbarkeit der Streckennutzung als auch eine höhere Sicherheit. „Mit dieser Technologie können mehr Züge mit höheren Geschwindigkeiten auf einer Strecke fahren“, sagt UNIFE-Experte Max Obenaus.

Bremsenergie wird Strom

Doch nicht nur die Kompatibilität der verschiedenen europäischen Signalsysteme ist aktueller Gegenstand der Forschung. Daneben spielt vor allem die Rückgewinnung und Wiederaufbereitung von Energie eine große Rolle. Heute verpufft die beim Bremsen freigesetzte Energie nutzlos als Wärme. Mithilfe von innovativen Technologien könnte sie künftig in Form von Strom erneut in die Oberleitung eingespeist werden und anderen Fahrzeugen als Antriebsenergie dienen. Auch die von den Klimaanlagen produzierte Wärme solle künftig in ähnlicher Weise recycelt werden. Weiterhin gibt es Bestrebungen, Züge und Bahntrassen leiser zu gestalten. „Gerade an Ortschaften ist es wichtig, dass die Züge so leise wie möglich vorbeifahren“, so Obenaus. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und die Deutsche Bahn haben in einem Eckpunkteprogramm bereits ein lärmabhängiges Trassenpreissystem beschlossen. Demnach sollen künftig Züge, deren Waggons auf eine lärmgeminderte Bremstechnologie umgerüstet wurden, einen geringeren Preis für die Trassennutzung zahlen.

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