Ego-Reform

Grüne Bahn zahlt kräftig für grünen Strom

Von Katharina Lehmann · 2014

Noch vor der Sommerpause hat der Bundesrat die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beschlossen. Darin enthalten: die Anhebung der Ökostrom-Umlage für den Bahnverkehr. Verbraucherschützer befürchten nun höhere Ticketpreise.

Bahnfahren gilt als umweltfreundlich. Aus ökologischen Gründen wünschen sich Klimaschützer daher, dass mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene wechselt. Dazu muss die Bahn auch günstig sein. Doch künftig wird die Preisgestaltung noch ein bisschen schwieriger. Ausgerechnet die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bürdet dem Schienennahverkehr weitere Kosten auf. Nach Angaben aus Branchenkreise erwartet allein die Deutsche Bahn Mehrkosten in Höhe von 100 Millionen Euro. Bahnchef Rüdiger Grube hatte bereits Anfang des Jahres angekündigte, dass sich die zusätzlichen Belastungen auf die Ticket-Preise auswirken werden. 

Alle Bahnbetreiber betroffen

Betroffen ist nicht nur die Deutsche Bahn, sondern auch Nahverkehrsunternehmen, die Straßen- und U-Bahnen unterhalten. Doch die Deutsche Bahn wird mit einem Stromverbrauch von über 10.000 Gigawattstunden am stärksten belastet. Und auch größere Verkehrsunternehmen wie den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) werden durch die Umlage mit rund 2,5 Millionen Euro zusätzlich belastet, schätzen Branchenexperten. Sie erwarten, dass der Einzelfahrschein um zehn Cent teurer wird. Lediglich sehr kleine Bahnunternehmen werden durch die Neuregelung begünstigt.

Bislang galt für Unternehmen eine Art Deckelung: Sie mussten nur bis zu einem Stromverbrauch von zehn Gigawattstunden die volle Ökostrom-Umlage zahlen. Für den zusätzlichen Bedarf fielen lediglich elf Prozent der Umlage an. Das ändert sich nun aber: Vom kommenden Jahr wird zwar der volle Satz nur noch für drei Gigawattstunden fällig, doch insgesamt steigen für die meisten Unternehmen die Kosten, weil für den Strommehrverbrauch 15 statt elf Prozent der Ökostrom-Umlage bezahlt werden müssen – ab 2016 werden es sogar 20 Prozent, ab 2017 25 Prozent und ab 2018 dann 30 Prozent sein.

Verbraucherschützer warnen vor Preissteigerung

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will damit die Bahnen stärker an der Finanzierung der Energiewende beteiligen und den Anstieg der Strompreise bremsen. Für die Verbraucherschützerin Marion Jungbluth geht das aber in die falsche Richtung: „Wer umweltfreundlich mit elektrischen Bahnen unterwegs ist, wird im Vergleich zu Autofahrern finanziell bestraft“, sagt die Energieexpertin der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Für die Verbraucher werde sich das nicht auszahlen, meint Jungbluth. „Als Stromkunden sparen Privathaushalte wenig, als Fahrgäste im öffentlichen Verkehr werden sie doppelt und dreifach zur Kasse gebeten.“

Die Erhöhung der EEG-Umlage für Schienenbahnen trifft allerdings nicht nur den Personenverkehr. Auch der Güterverkehr werde zugunsten der Straße geschwächt, teilte die Bahn-Gewerkschaft evg mit. „Das Ziel der neuen Bundesregierung kann doch nicht sein, für noch mehr Lastwagen auf der Straße zu sorgen“, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner. Und auch der Lobbyverband „Allianz pro Schiene“ sieht mit der Neuregelung die Energiewende im Verkehr torpediert: „So erreicht Deutschland keine Nachhaltigkeitsziele im Verkehrsbereich“, sagte Allianz-pro-Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege.

Quelle: Bundesverband Erneuerbare Energien e.V., 2014

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