Tunnelbau

Durch dick und dünn

Von Jens Bartels · 2016

Tunnelbauer meistern immer größere Herausforderungen. Sie fertigen faszinierende Bauwerke, die tief unter dem Meer Länder miteinander verbinden, kilometerlang ganze Bergmassive queren oder Menschen in verstopften Großstädten schnell zum gewünschten Ziel transportieren. Die nächsten Strecken sind im Bau.

Schon die Zahlen des neuen Rekordhalters beeindrucken: Zwei Röhren, jeweils 57 Kilometer lang, und darüber türmt sich bis zu 2.300 Meter hohes Felsgestein. Mehr als 28 Millionen Tonnen Gestein wurden dafür mit Bohrungen und Sprengungen aus dem Berg herausgeholt. Dieses Material würde einen 7.100 Kilometer langen Güterzug von Zürich bis Chicago füllen. Die Rede ist vom neuen Gotthard-Basistunnel, dem tiefsten und zugleich längsten Eisenbahntunnel der Welt. Das Beispiel zeigt: Tunnelbauer errichten immer imposantere Bauwerke. Der neue Tunnel in der Schweiz ist über drei Kilometer länger als der bisherige Rekordhalter, der Seikan-Tunnel in Japan, und sieben Kilometer länger als der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal zwischen England und Frankreich. 

Faszinierende Technik

Beim Bau solcher Meisterleistungen kommen heutzutage gigantische Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz. Große Pluspunkte dieser Technik sind die Sauberkeit beim Bau und die Arbeit in nicht standfestem Gestein. An Bord dieser Maschinen befinden sich sämtliche benötigte Materialien, von der Versorgung des Tunnelbohrers bis zum Abtransport des Abbruchmaterials via Schaufelrad über ein Förderband. Laserstrahlen machen die berechnete Vorausrichtung sichtbar und zeigen, wo die Rollenmeißel des Bohrkopfs angesetzt werden müssen. Direkt hinter den arbeitenden Bohrköpfen findet automatisch Ausbau und Abdichtung des Tunnels statt, freigelegte Flächen werden durch Spritzbeton, Felsanker, Stahlbögen und andere Bauelemente gesichert. 

Zukunft Multifunktionstunnel

Laut Experten wird der Durchmesser neuer Tunnel immer größer und auch in immer größeren Tiefen gebohrt. Die Zukunft gehört dabei dem sogenannten Multifunktionstunnel. Zum Beispiel verbindet so ein Tunnel schon heute die Flussinsel Changxing im Jang­tse-Flussdelta mit Shanghai in China. Das Besondere: Durch den Tunnel führt eine dreispurige Autobahn und in das Deck darunter passt noch eine U-Bahn. Ein weiteres imposantes Bauwerk entsteht gerade in den Alpen. Geht es nach den Bauherren des Brenner-Basistunnels, wird der Gotthard-Basistunnel im Jahr 2026 seinen Titel als längster Eisenbahn-Tunnel der Welt schon wieder verlieren. Der neue Tunnel am Brenner entsteht zwischen dem österreichischen Innsbruck und dem italienischen Franzensfeste, gemeinsam mit der bereits bestehenden Umfahrung Innsbruck erreicht er eine Länge von 64 Kilometern. 39 Kilometer lang soll dagegen der Gibraltar-Tunnel, werden – der Eisenbahntunnel soll unter dem Mittelmeer verlaufen und Spanien und Marokko verbinden. Wann der Bau beginnt, ist indes noch ungewiss.

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