Lärmreduktion

Auf leisen Sohlen

Von Anna Graefe · 2014

Mehr Verkehr auf der Schiene freut die Umweltschützer, nicht aber die Anwohner. Wenn immer mehr Züge am eigenen Heim vorbeirauschen, wird das nicht nur für die Nerven, sondern womöglich auch für die Gesundheit eine Tortur. Die Bundesregierung hat sich deshalb vorgenommen, mit immer strengeren Lärmschutzrichtlinien für mehr Ruhe auf den Schienen zu sorgen.

Züge zählen zu den beliebtesten Reisemitteln der Deutschen. Ob man arbeitet, liest oder einen Film guckt – Beschäftigung findet der Reisende immer. Dazu schont man die Umwelt und den Geldbeutel. Doch so gerne viele Deutsche Zug fahren, so wenig mögen sie den Lärm direkt vor ihrer Haustür. Nach einer Umfrage des Umweltbundesamtes fühlen sich 40 Prozent der Befragten von dem Krach auf der Schiene gestört. 
Die Bundesregierung hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Lärmbelastung durch den Schienenverkehr in den kommenden Jahren um ein Vielfaches zu senken. Bis zum Jahr 2020 soll der Krach auf den Schienen um die Hälfte reduziert werden. Momentan beträgt der Lärm von Personen- und Güterzügen laut Umweltbundesamt in unmittelbarer Nähe mehr als 65 Dezibel. Lärm, der – wenn er zur Dauerbelastung wird – bereits zu ernstzunehmenden Gesundheitsbeschwerden führen kann. Doch welche Möglichkeiten gibt es, die 
Geräusche einzudämmen? 

Stegdämpfer für die Schienen

„Der Lärmschutz setzt auf ein Konzept, das auf zwei Säulen basiert“, sagt Hans Georg Zimmermann, stellvertretender Leiter und Sprecher für Lärmschutz bei der Deutschen Bahn. „Zum einen gibt es Maßnahmen an der Infrastruktur, zum anderen können die Fahrzeuge selbst umgerüstet werden.“ Bei ersterer handelt es sich vor allem um den Bau von Lärmschutzwänden und Lärmschutzfenstern oder auch den Einsatz von Schienenstegdämpfern. Diese Dämpfer werden in kurzen Abständen an beiden Seiten des Schienenstegs montiert und reduzieren die Schwingungen des Gleises, die durch den vorbeifahrenden Zug ausgelöst werden. Das sind Maßnahmen, die Entlastung für Anwohner bringen.
Gefördert wurden diese Maßnahmen mit den Programm „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen des 
Bundes“. Rund elf Prozent des 34.000 Kilometer langen Streckennetzes gelten als besonders lärmbelastet, darunter vor allem die Strecken Hamburg-Hannover-Kassel-Frankfurt, Frankfurt-München und Düsseldorf-Köln-Main-Mannheim-Basel. In diesen Gebieten wurde in den vergangenen Jahren besonders unter dem Aspekt der Infrastruktur investiert und so konnten hier schon 1.300 Kilometer lärmsaniert 
werden.

Flüsterbremsen für die Züge

Die zweite Maßnahme sieht vor, die Entstehung von Lärm dort zu verhindern, wo er entsteht: am Fahrzeug. Denn der Lärm kommt von den Anfahrt-, Brems- und Rangiergeräuschen. Mit neuen Bremsen aus Verbundstoff, den sogenannten Flüsterbremsen, sollen die Rollgeräusche um einiges leiser werden. Statt aus Grauguss bestehen die Bremsen aus Kunststoff, der das Rad weniger aufraut. So laufen die Wagen leiser. 
Flüsterbremsen sollen vor allem die Güterzüge bekommen. Insgesamt sind in Deutschland rund 180.000 Güterzüge registriert, 60.000 davon gehören der Deutschen Bahn. Etwa 11.700 davon tragen bereits die leisen Bremsen. Auch die übrigen umzurüsten, würde laut Zimmermann 230 Millionen Euro kosten. 

Umweltschutz versus Lärmschutz

Ob das die subjektive Lärmbelastung des Einzelnen tatsächlich reduzieren wird, ist allerdings nicht sicher. Denn selbst wenn die Bundesregierung ihre Ziele erreicht, hat sie gleichzeitig vor, aus Umweltschutzgründen mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Bis zum Jahr 2025 soll der Güterverkehr laut Prognosen um 71 Prozent wachsen. Und da werden nicht nur die umgerüsteten Wagen fahren, sondern auch internationaler Verkehr, der nicht den Standards entspricht, die Deutschland für sich festgelegt hat. Doch immerhin: Neben Deutschland sind auch die Nachbarländer Österreich, die Schweiz und die Niederlande Vorreiter in puncto Lärmschutz.

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